Wittekinddenkmal I

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Heinrich Wefing
Eingeweiht 28. Juni 1899
Kosten rd. 30.300 RM
Abgebaut zum Einschmelzen 25. Juni 1942

 

Künstler:
Heinrich Wefing (* 12.09.1854 in Eickum; † 06.07.1920 in Berlin)
Wefing studierte ab 1871 in Berlin an der Königlich-Preußischen Akademie (1875 umbenannt in Königlich-Akademische Hochschule für bildende Künste). 1907 bekommt Wefing das Patent zum Königlich-Preußischen Professor verliehen. Er schuf eine ganze Reihe Denkmale für den Raum Herford, unter anderem das Kriegerdenkmal, das Kurfürstendenkmal, die Grabstätte der Familie Siveke auf dem alten Friedhof Hermannstraße, den Roon-Stein in Laar oder das Relief zur Wittekinds Taufe in der Stiftskirche Enger. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Aufträge knapp, Wefing hielt sich als Kunstlehrer über Wasser. Mit 65 Jahren starb er an einer schweren Grippeerkrankung.

 

Zum Andenken an den Bau des Wasserwerkes 1896 beschlossen die Stadtverordneten die Errichtung des Wittekinddenkmals. Das passt, orientiert sich das Denkmal doch an der Sage des Quellwunders, das den Sachsenherzog letztendlich zum Übertritt zum Christentum bewegen sollte. Die Idee für das Denkmal stammt von Wefing selbst, der bereits für den Alten Markt ein Denkmal geschaffen hatte. Nach seinen eigenen Worten sollte es seine Lebensaufgabe werden. Ab 1894 schrieb er an den Landrat von Borries und Bürgermeister Quentin mehrere Briefe, in denen er den Bau des Denkmals anregte. Es bildete sich ein 38 Mitglieder starkes Komitee mit Landrat von Borries als Vorsitzenden, Prof. Böckelmann als Schriftführer und C. Kranefuß sen. als Schatzmeister. Im Spätherbst 1897 wurde das Fundament gelegt. Zwischen Ostern und Pfingsten trafen die Felsblöcke ein. Die Arbeiten an den Blöcken zogen sich wider Erwarten lange hin, so dass der bereits bekannt gegebene Termin verschoben werden musste.
“Der Heimat”, so sagte Professor Wefing, “die mit Hingabe und Eifer die Mittel aufbrachte, um dem Sachsenherzog ein Denkmal zu errichten, habe ich meine besten Kräfte gewidmet, um das Vertrauen zu rechtfertigen, das sie in mich gesetzt hat. Das Werk ist vollendet. Ich übergebe es der Heimat mit dankerfülltem Herzen. Möge es sein und bleiben ein Denkmal westfälischer Kraft und Treue.” Der Original-Widukind trug die Gesichtszüge Kaiser Wilhelm II. (1888-1918).
Am 25. Juni 1942 wurde das Denkmal demontiert. Einige Tage lag es noch auf dem Bauhofgelände der alten Gasanstalt am Renntor. Die Teile kamen anschließend zur Firma Wilhelm Raven in Dortmund. Dort wurde es auseinander geschnitten, die Eisenverstrebungen entfernt und die kupfernen Einzelteile in verschiedene Werke weitergeliefert.
Anfang 1946 berichtet die Neuen Westfälischen Zeitung mehrmals über das verschwundene Denkmal.
“Ein besonderer Wunsch der Bevölkerung in der Stadt Herford geht dahin, dieses Denkmal, das auch in zahlreichen Grundschullesebüchern abgebildet ist, wiederzubekommen. Die Stadtverwaltung bittet alle Fabrikanten, die von der Firma Raven in Dortmund Kupfer bekommen haben, nachzuprüfen, ob nicht noch Teile des Wittekind-Denkmal vorhanden sind, damit das Denkmal sobald wie möglich wieder aufgebaut werden kann. Nachrichten über den Verbleib des Denkmals erbittet der Oberbürgermeister der Stadt Herford.”

 


 

 

Wittekinddenkmal II

Walter Kruse
Eingeweiht 30. August 1959
Kosten 42.000 DM
Kunstgießerei E. Strassacker K.G. Süssen (Württemberg)

Der seit Wefings Zeiten bestehende “Stammtisch Wittekind” beschloss in einer Generalversammlung am 6. Januar 1956 ein Gremium zu bilden, das die Wiederbeschaffung eines Wittekinddenkmals betreiben sollte.
Die Wiedererrichtung war nicht unumstritten. Am 1. Februar 1956 wurde dazu der gemeinnützige “Denkmalverein Wittekind e.V.” gegründet, dem 18 Herren angehörten. Erster Vorsitzender war Rechtsanwalt Herbert Wolff, Geschäftsführer Ruwe. Es wurde Kontakt mit verschiedenen Künstlern aufgenommen, die sich für eine Neugestaltung interessierten. Offenbar neigte man von Anfang an dazu, die von Wefing geschaffene Form, mit geringen Änderungen, beizubehalten. Bereits Ende Februar wurde der aus Herford stammende Bildhauer Kruse beauftragt, ein Modell zu schaffen. Als Vorlage standen ihm ein kleines, 63 cm hohes Tischmodell und einige Fotografien zur Verfügung. Am 9. März 1956 war in der Presse zu lesen: “Der Aufstellung des Wittekinddenkmals in alter Form auf dem Wilhelmsplatz steht nichts mehr im Wege”.  Das neue Denkmal wurde für die bessere Sicht etwas nach vorn gezogen. Am 25. August traf auf einem Spezialwagen der 42 Zentner schwere Wittekind am Güterbahnhof ein.
Walter Kruse selbst war bei der Einweihung des Denkmals nicht anwesend. Wolff erwähnte ihn nur kurz in der Festrede, ohne ihm allerdings Anerkennung zuzusprechen.

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