Renntor

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Die aus Süden nach Herford führenden Handelswege auf Ahmser und Elverdisser Straße mündeten  unmittelbar vor der Stadtmauer ineinander. Durch das Renntor führte nur noch eine Straße in die Stadt, die Rennstraße. Von dem einzigen in der Altstadt gelegenen Stadttor ist nichts mehr geblieben. An keinem anderen Stadttor wurden die Spuren der Vergangenheit so konsequent getilgt wie hier.
Nachdem die Tore, Mauern und Gräben der Herforder Stadtbefestigung nach dem Dreißigjährigen Krieg zunehmend ihren Zweck verloren, verfielen sie zusehends. Die Stadt konnte kaum noch Mittel für ihre Unterhaltung aufbringen. Mehrmals gab es zwischen den Preußen und den Herfordern Streit um die Nutzungsrechte. Am 3. April 1765 traf in Herford schließlich die Genehmigung des preußischen Königs Friedrich II. zum endgültigen Verkauf der Wallanlage ein. Der vor der Stadtbefestigung verlaufende Wachegang kam nicht mit unter den Hammer, auf ihm entstand die heutige Wallpromenade.
Die eine Seite des Renntors, entlang der Straße Unter den Linden „von Fresen Thurm bis ans Rennthor“, wurde für 215 Taler versteigert. Die Strecke entlang der Renntormauer bis zur Wiesestraße, „vom Rennthor bis ans erste Rondeel“, ging für 122 Taler an Hauptmann Steudecke.  Die letzten Reste des Stadtgrabens zwischen Aa und Bergertor waren im Laufe der Zeit langsam zugewachsen und verschlammt. Mehrmals wurden die hohen Unterhaltungskosten beklagt, die allein durch das Schlämmen des Grabens entstanden. Zwischen 1910 und 1911 wurde er schließlich zugeschüttet. Zur Gründerzeit wurden rund um den Wall viele repräsentative Villen mit großzügigen Gärten errichtet.
Eine große Freifläche zwischen dem damaligen Rennthorwall, heutigen Pöppelmannwall und der Renntormauer war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bebaut. Während andere versteigerte Areale rund um die Stadt bereits in kleinere Parzellen aufgeteilt waren, blieb an dieser Stelle eine größere Fläche erhalten. Hier beginnt 1887 in einem kleinen Gebäude die Geschichte des heutigen Mathildenhospitals. Aus der Pflegestation an der Renntormauer entstand allmählich ein kleines Krankenhaus. Bald wurde der erweiterte Bau zu klein, so dass 1913 bereits wieder angebaut werden musste. Am Tag der schwersten Bombardierung Herfords, am 3. März 1944, wurde auch das Mathildenhospital getroffen. Bei diesem Angriff wurde auch ein großer Teil der Altstadt zerstört.
Nach dem Krieg beschloss man einen Neubau am Krankenhaus, der am 26. November 1957 feierlich geweiht wurde. Dieser Erweiterung musste auch das alte Torschreiberhaus weichen. Die Nutzung des Gebäudes war schon damals problematisch. Kleine Räume mit niedrigen Decken machten das Wohnen und Arbeiten beschwerlich. Aber es gab noch ein anderes Problem. Das niedrige, vorstehende Dach des alten Zollhauses ragte etwas in die Straße. Einstmals gut als Unterstand für die Zöllner, später schlecht für die LKW. Trotz aller Warnhinweise donnerten regelmäßig Laster gegen das Vordach. Bis 1945 wohnte die Familie Emmerich in dem kleinen Haus. Danach wurde das Gebäude als Vikariat genutzt. Im Adressbuch Herfords findet sich 1955 unter der Adresse Rennstraße 1 als letzter Eintrag der Name Heinrich Humbert, kath. Fürsorgeverein und Caritasverband. Danach wurde auch das letzte Zollhaus Herfords abgebrochen.
Nach dem ersten Aufbau nach dem Krieg wurde zwischen 1976/77 wurde die Rennstraße grundlegend umgestaltet. Vom Bahnhof führt heute eine vierspurige Straße über den Innenstadtring bis zum Renntor. Die Weiterführung des Ausbaues über Ahmser Straße und Hermannstraße scheiterte. Relikt der damaligen Verkehrsplanung ist das Stelzenhaus am  Renntor, durch das die Straßen führen sollten. Von der alten Stadtanlage blieb der Wall, heute die Straße Unter den Linden und der Pöppelmannwall.