Komturei

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Zwischen 1220 und 1240 beginnt am Rande der gerade neu gegründeten Neustadt die Geschichte der Komturei. Das Gelände ist günstig gelegen, es ist nicht weit bis zum nächsten Stadttor und befindet sich direkt an einem kleinen Flüsschen, der Bowerre. Auch die heutige katholische Kirche St. Johannes Baptist hat hier ihre Wurzeln, auf dem Gelände des Johanniter-Ordens.

 

Der Johanniterorden entstand nach der Eroberung Jerusalems durch das Heer des Ersten Kreuzzuges im Jahre 1099. 1306 erfolgte die Übersiedlung der Johanniter nach Rhodos. Nach der Vertreibung durch die Türken folge 1530 eine weitere nach Malta. So bürgerte sich die Bezeichnung Malteser ein. Im Jahr 1230/31 wurde in Herford eine Johanniterkommende gegründet. Der geistliche Ritterorden nannte seine Niederlassungen “Kommende”. Sie waren nicht nur Konvent, sondern auch Verwaltungseinheiten, die einem Komtur (Mittellateinisch: commendator, “Befehlshaber”) unterstanden.

 

Der Komtur übte alle Verwaltungsbefugnisse aus, beaufsichtigte die seiner Kommende unterstellten Vogteien und Zehnthöfe. Zu den Aufgaben der Komturei zählte in erster Linie die Bewirtschaftung ihrer Güter. Ihr oblag jedoch auch die Gastfreundschaft gegenüber durchreisenden Ordensangehörigen. Die Johanniter, die sich auch um die Krankenpflege kümmerten, bekamen reiche Schenkungen durch den Adel und die Bürgerschaft Herfords. Urkunden aus den Jahren 1283, 1285 und 1286 verweisen auf diesen Grundbesitz. 1468 war ein Neubau an der Kommende notwendig. Für die Datierung wurden im Komtursaal verbaute Hölzer dendrochronologisch untersucht. Bauherr war wohl Komtur Dietrich von Ledebur, dessen Wappen heute in der Ostwand eingebaut ist.

 

Nach der Reformation verliert die Komturei ihre Selbstständigkeit. Während des Dreißigjährigen Krieges werden mehrmals Fremde einquartiert, danach wird mit kaiserlichem Urteil wieder geistliches Leben möglich. Der Rechtsstreit um die Eigentumsrechte am Gotteshaus 1645 konnte vom Malteserorden gewonnen werden, so dass 1646 wieder ein römisch-katholischer Priester seinen Dienst versah. Der Raum vor dem großen Saal wurde 1658 von Johann Jakob von Palland angebaut. Ein weiterer kleiner Raum wurde vermutlich um 1715 angebaut. Die beiden Räume dienten wohl einige Zeit Franziskanermissionaren als Unterkunft. Wann das heutige Pfarrhaus erbaut wurde ist nicht sicher geklärt. Der steinerne Giebel zur Bowerre hin könnte noch in die Gotik verweisen, die Gestaltung des Eingangsportals ist später in Barock ausgeführt.

 

Bereits mit der Säkularisierung wird das Ende der Komturei eingeläutet. Als Anfang 1811 die letzten Zahlungen eingestellt wurden, ist die Geschichte der Kommende endgültig vorbei. Zwischen 1992 und 1997 wurde die Kommende mit dem Komtursaal vorbildlich restauriert. Dabei versuchten die Restauratoren das Aussehen des Komplexes dem Zustand um 1715 anzunähern.

 

 

 

Literatur: Vom Hof zum Platz, Katholische Kirchengemeinde St. Johannes Baptist, 2004