Kantorhaus

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In der Elisabethstraße 2 steht das Kantorhaus. Das zweigeschossige Fachwerk-Traufenhaus wurde zwischen 1484 und 1494 auf dem Gebiet der Reichsabtei erbaut. Urkunden oder Inschriften, über die sich das Gebäude datieren lässt, liegen nicht vor. Auf der Taufseite zum Münsterkirchplatz sind jedoch 3 Wappen eingeschnitzt. Während zwei Wappen nicht zu identifizieren sind, gehört das mittlere zur Äbtissin Anna von Hunoldstein. Ihre Regierungszeit lag zwischen 1484 und 1494.

 

Das Kantorhaus gehört zu den ältesten Fachwerkbauten Westfalens. Auf der angebrachten Denkmaltafel wird es als “zweitältestes Fachwerkhaus in Westfalen” bezeichnet. Mittlerweile wurden jedoch mehrere Bauten entdeckt, die bereits in das 14. Jahrhundert datiert werden. Ein Grund für seine besondere Ausstrahlung ist die eindrucksvolle Ziegelausfachung der Fachwerke. Das Obergeschoss ragt nach allen Seiten über gekehlte Knaggen vor. Nach Osten, heute hinter Bäumen und Gebüsch versteckt, liegt die ehemalige Hauptseite des Gebäudes. Die ursprüngliche Bestimmung des zweigeschossigen Gebäudes ist nicht bekannt.

 

Ab den 50er Jahren sollte es dem Haus an den Kragen gehen. Stichwort: Autogerechte Stadt. So schrieb am 14. März 1957 die Freie Presse:

 

“Wir müssen die Scheu vor der Spitzhacke in Herford endlich überwinden”, erklärte Oberstadtdirektor Meister in einer Pressekonferenz, an der auch der Leiter des Polizeiamtes teilnahm, als es um Verkehrsprobleme ging. Im Mittelpunkt der Diskussion wird in den nächsten Wochen das alte Kantorhaus am Münsterkirchplatz stehen,  wo es um dessen Erhaltung oder Beseitigung geht.

 

Niemand wird bestreiten, dass man durch den Abbruch dieses ehrwürdigen Hauses einen der schlimmsten Gefahrenpunkte im Straßenverkehr der Herforder Innenstadt beseitigen würde. Dem steht allerdings die Tatsache gegenüber, dass es sich um ein historisches Bauwerk handelt, von dem sich kein Heimatfreund trennen möchte. Den einen gegen den anderen Gesichtspunkt abzuwägen, wird Aufgabe der maßgebenden Stellen sein. Die Stadt ist jedenfalls der Ansicht, dass das Haus den Verkehrsbelangen geopfert werden müsse.”

 

Noch bis Anfang der 70er Jahre wurde regelmäßig von mehreren Politikern, immer ganz vorn dabei die FDP, der Abbruch des Kantorhauses gefordert. Nach dem Verlust des Friedrichs-Gymnasiums war die Bevölkerung jedoch dermaßen sensibilisiert, dass die Politik die Abbruchpläne aufgab. Es ist unbestritten eines der romantischsten Gebäude Herfords. Seit Jahren wohnt hier der jeweilige Kantor der Münsterkirche. Was nicht immer einfach ist, wenn vor dem Haus die Kirmes tobt.