Jüdischer Friedhof

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An der Friedhofstraße liegt der jüdische Friedhof, der schon seit dem 17. Jahrhundert der Gemeinde als Begräbnisstätte dient. Da bereits 1306 erstmals von Juden in Herford berichtet wird, ist es vermutlich nicht der erste jüdische Friedhof in Herford. Er gehört zu den ältesten erhaltenen jüdischen Friedhöfen Westfalens. Die bedeutendsten Grabsteine stammen aus der Zeit zwischen 1680 und 1808. Es sind wichtige Dokumente von hohem kulturhistorischem und künstlerischem Wert! Leider fallen einige von ihnen seit Jahrzehnten auseinander.
Der Friedhof existiert sicher spätestens seit 1679. Da es leider keine Urkunden oder Unterlagen dazu gibt, erfolgte diese Datierung über den ältesten Grabstein. Entsprechend der jüdischen Tradition gehört jedem Toten der Boden, in dem er bestattet wurde. Grabstätten werden nicht wieder belegt, es gilt die heilige Totenruhe bis zur Endzeit. Gemeinsame Tradition mit den Christen ist dagegen, dass die Gräber sind so angelegt wurden, dass die Toten mit den Füßen nach Osten, Richtung auf Jerusalem liegen.
Bei den älteren Grabsteinen handelt es sich um 21 Steine aus der Zeit vor der Emanzipation. Als jüdische Emanzipation, die in Preußen etwa 1797 beginnt, bezeichnet man den Weg der Juden weg vom Rand der christlichen Mehrheitsgesellschaft. Bis zu diesem Zeitpunkt galten sie als rechtliche, religiöse und sozial diskriminierte Minderheit. Die Emanzipation sollte sie in die Mitte der Gesellschaft führen.
Die Vorlage zu den alten Grabsteinen gab der jüdische Auftraggeber, gefertigt wurden sie jedoch immer von Nichtjuden. Juden war in dieser Zeit das Ausüben eines Handwerks untersagt.
Insgesamt 15 Grabsteine stammen aus der Zeit von 1679 bis 1728. Danach folgen 6 Steine aus der Zeit von 1770 bis 1808. Wie es zu dieser Unterbrechung von etwa 40 Jahren kam ist nicht bekannt. Wie bei den meisten Grabsteinen auf jüdischen Friedhöfen, sind auch die in Herford relativ schlicht gehalten. Auf den ältesten Grabsteinen wurde die Inschrift nur in hebräischer Sprache eingearbeitet. Spätere Grabsteine haben auf der Ostseite eine Inschrift in hebräischer Sprache und auf der Rückseite in deutscher Sprache.
1941 kaufte die Stadt Herford das Gelände des jüdischen Friedhofs. Die Kapelle, wie das Gemeindehaus und die Synagoge in der Komturstraße im neogotischen Stil gebaut, wurde als Wohnung für Familien von NSDAP-Mitgliedern umgebaut. Dafür wurde ein Zwischenboden eingezogen, der nach dem Krieg wieder entfernt wurde. Die Planungen sahen vor, dass über das Friedhofsgelände eine Umgehungsstraße gebaut werden sollte. Möglicherweise wurde durch diese Planung der Friedhof erhalten, sah er doch im weiteren dessen vollkommene Vernichtung vor. Eine vorherige Zerstörung wurde wohl als überflüssig erachtet.
Seit einigen Jahren gibt es auf dem jüdischen Friedhof einen Gedenkstein, auf dem 59 jüdische Menschen als Opfer der Gewalt namentlich genannt werden. Außerdem werden hier 110 Namen von Herforder Juden mit dem Datum ihrer Deportation aufgeführt.

Literatur: Herforder Jahrbuch 1965, Rabbiner Dr. Bernhard Brilling, Die ältesten Grabsteine des jüdischen Friedhofs von Herford 1680-1808