Jakobikirche

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Die gotische Jakobikirche (Radewiger Kirche), die Kirche der Jakobspilger, ist eine westfälische Hallenkirche. Sie steht im ältesten Stadtteil Herfords, der Radewig.
Erstmals wird das Gotteshaus 1335 als “capella” erwähnt.
Über die Anfänge als Kirchenstandort ist nichts bekannt. Vermutlich gab es bereits vor dem heutigen Bau eine Kirche an dieser Stelle. Auch wenn bisher keine Spuren von ihr gefunden wurden, spricht unter anderem die Straßenführung in diesem Bereich dafür. Der an verschiedenen Stellen publizierte Hinweis auf einen vermeintlich nachgewiesenen Vorgängerbau, beruht auf einem Irrtum.
Bei Renovierungsarbeiten wurde 1979 ein Fundamentblock gefunden, der bei den folgenden Grabungen als Rest einer Basilika gedeutet wurde. Tatsächlich handelt es sich jedoch um einen Teil der jetzigen Kirche, welcher der Umplanung von einer einfachen Saalkirche zur Westfälischen Hallenkirche zum Opfer fiel.
Baubeginn der heutigen Kirche war vermutlich um 1260. Dabei wurde im ersten Bauabschnitt der Chor fertig gestellt. Nach einigen Jahrzehnten Bauunterbrechung wurde um 1310 weitergebaut. Dabei wurden die Schiffe und das Turmuntergeschoss, die Jakobikirche ist die einzige Herforder Kirche mit eingezogenem Turm, bis über das Gewölbe errichtet. Dass die Kirche 1335 als “capella” bezeichnet wird, könnte auf den Abschluss der Arbeiten verweisen. Nach einem erneuten Baustopp wurde der Turm schließlich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts fertig gestellt.

 

Im 11./12. Jahrhundert setzte die Pilgerbewegung nach Santiago de Compostela ein, die bis ins 15. Jahrhundert immer mehr Anhänger fand. Einen Zwischenstopp konnten die Pilger in Herford einlegen. Die Stadt lag verkehrsgünstig am Kreuzungspunkt der Handelsstraßen von Mainz nach Lübeck und von Hameln nach Osnabrück. Im Norden verlief ein Hellweg über die heutige B65, im Süden der Hellweg von Paderborn nach Soest.
Historisch genau gesehen, gib es leider keinen zeitgenössischen Hinweis auf eine Pilgerkirche in der Radewig.

Eine Bulle Papst Pius II. von 1510 besagt, dass die Jakobikirche keine Pfarrkirche war. Was sie war, sagt die Bulle nicht.
Kirchen, die keinen eigenen Pfarrbezirk besaßen, waren entweder Stiftskirchen (ausgeschlossen), Kaufmannskirchen (die stand jedoch mit der Nicolaikirche am Alten Markt) oder es waren Pilgerkirchen.
Es gibt mehrere überzeugende Indizien, die für eine Pilgerkirche sprechen:
Da ist der Name des Titularheiligen, St. Jacobus. Sein Grab in Santiago de Compostela ist bis heute das Ziel der Jakobspilger.
Die extrem lange Bauzeit ist Hinweis auf kontinuierlich fehlende Finanzmittel über einen langen Zeitraum. Zwischen der Fertigstellung der Kirchenschiffe und der des Turmes vergingen etwa 100 Jahre. Dabei ist insbesondere der Turm wichtig für das Selbstverständnis der Bauherren. Himmelwärts strebend- Gott entgegen! Was für ein trauriger Anblick muss das gewesen sein. Erst durch verschiedene Zuwendungen war es schließlich möglich, nach fast 200 Jahren Bauzeit den Bau in der Radewig zu beenden.
Von der Einrichtung der Pilgerkirche hat sich nichts mehr erhalten. Einzige Ausnahme ist das steinerne Fragment einer Heiligenfigur, das zufällig im Sommer 2010 auf einem der Gewölbe gefunden wurde. Verborgen in einer Nische hat es die Zeit überdauert.
Mit der Reformation waren die Pilger nicht mehr erwünscht.
Die Kirche als Gotteshaus wurde 1530 geschlossen. Im gleichen Jahr wurde von der Stadt das komplette Eigentum der Jacobiten-Bruderschaft der städtischen Verwaltung unterstellt, das Hospiz und die Herbergen der Pilger geschlossen. Erst 1590 wurde die Kirche für Gottesdienste wieder geöffnet. Beim großen Herforder Stadtbrand von 1638, welcher fast den gesamten Stadtteil Radewig zerstörte, wurden das Dach und der Turmhelm vernichtet und anschließend wiederaufgebaut. Die Form des damals errichteten Turmhelms wird als Welsche Haube bezeichnet. Es ist kein Zwiebelturm, wie immer wieder falsch beschrieben wird. 1778 brannte der Turmhelm nach einem Blitzeinschlag erneut nieder und wurde in der alten Renaissanceform erneuert.
In der Nacht zum 17. Dezember 1940 fielen die ersten Bomben auf Herford. Dabei wurden auf der Südseite der Jakobikirche ein Strebepfeiler und das Eingangsportal beschädigt. Die Druckwelle zerstörte Teile der Inneneinrichtung und drückte die meisten Fenster nach außen. Während der Wehrmachtsbericht die Zerstörung der Kirche meldete, hielten sich die Schäden tatsächlich noch in Grenzen.
2009/10 wurde die Kirche aufwändig restauriert, unter anderem hatte falscher Putz zu einigen Schäden geführt. Dabei wurde festgestellt, dass die Jakobsmuschel am südwestlichen Strebepfeiler erst später, frühestens Anfang des 17. Jahrhunderts angebracht wurde.
Bereits 1981 hatte die Stadt die Jakobikirche unter Denkmalsschutz gestellt.

 

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