Hansebrunnen

Herford_2009-12-16_(40)

Ecke Lübberstraße/ Berliner Straße
Eingeweiht am 27. April 1990
Bronze, Sockel und Becken roter Granit
Kosten: 200.000 Mark
Kunstgießerei Strehle, Winhöring (in der Nähe von München)

 

Bildhauer:
Heinz Spilker (*25.11.1927 in Elverdissen)
1942-1945 Lehre in der Möbeltischlerei Schnatmeyer als Möbeltischler
erster Kunstunterricht bei Kurt Landwehr, Kunstmaler am Viehtriftenweg
1950 erste große Reise nach Rom und Florenz, danach Entscheidung Bildhauer zu werden
1951 Beginn des Studiums an der Meisterschule für das Kunsthandwerk in Bielefeld
1953-1958 Studium an der Hochschule für Bildendende Künste Berlin-Charlottenburg
ab 1985 Atelier im Zoologischen Garten Berlin
International bekannt für seine hervorragenden Portraitarbeiten und lebensnahen Tierplastiken

 

Werke in Herford:
“Trauernde Mutter” 1958, Friedhof Elverdissen
“Flamingogruppe” Oktober 1986, Innenhof der Stadtbibliothek

weitere Arbeiten in Privatbesitz

Im Sommer 1977 organisierte der damalige Leiter des Herforder Museums, Dr. Rainer Pape, im Daniel-Pöppelmann-Haus eine kleine Ausstellung. Neben den regionalen Kunstmalern Wolfgang Heinrich und Manfred Thom stellte der mittlerweile in Berlin lebende Heinz Spilker mehrere seiner Plastiken aus. Während der Ausstellung kam es zu einer interessanten Begegnung, Heinz Spilker lernte den Herforder Arzt Hans Steinhäuser kennen. Steinhäuser hatte zuvor, gemeinsam mit weiteren engagierten Herforder Bürgern, die Bürgerinitiative zur Erhaltung des charakteristischen Stadtbildes gegründet. Der Kontakt zwischen ihnen sollte von nun an nicht mehr abreißen.
Jahre später konnte von dem mittlerweile international etablierten Künstler eine Tiergruppe erworben werden. Für seine Heimatstadt verzichtete Heinz Spilker auf einen Großteil seines Honorars. Die Flamingogruppe wurde am 1. Oktober 1986 im Städtischen Museum übergeben. Anwesend war Dr. Steinhäuser für die Bürgerinitiative, der Vorsitzende des Geschichtsvereines Cord H. Huchzermeyer, Dr. Klippstein für den Rat und einige Vertreter der Verwaltung und des Rates.
In dieser Zeit entstand die Idee, bis zur 1200jahr Feier ein Denkmal zu schaffen, das die Geschichte der Hansestadt Herford würdigt. Treibende Kraft war zweifellos Hans Steinhäuser. Es folgte eine Zeit endloser Diskussionen, vor allem um die Standortfrage. Der vom Sponsor und Künstler gewünschte Platz auf dem Alten Markt ließ sich nicht durchsetzen. Auch die ursprüngliche Planung, das Bronzeband an vier Sandsteinsäule zu befestigen, konnte nicht umgesetzt werden. Am 21. April 1988 wurde endlich der Vertag zwischen der Bürgerinitiative und Heinz Spilker geschlossen. Die Maße des Brunnens ergaben sich aus dem von Spilker benannten Standort Ecke Lübberstraße/ Berliner Straße. “Vereinbart ist eine plastische Darstellung der zur Hansezeit mit Pferden und Wagen fahrenden westfälischen Kaufleute, die von Bewaffneten begleitet wurden, einerseits und Hansekoggen, wie sie von seefahrenden Kaufleuten der Küstenregion (Lübeck usw.) benutzt wurden, andererseits. Im Hintergrund dieser Darstellung kann ein Hafen, Stadttor oder eine Stadtlandschaft gebracht werden.” Finanziert wurde das Projekt über Spenden, lediglich die Brunnenkammer sollte von der Stadt gebaut und bezahlt werden. Auf dem Entwurf, der ersten Skizze die Spilker erstellte, ist eine handschriftliche Notiz des beeindruckten Steinhäusers zu finden: “Die Darstellung spricht für sich selbst, keine Inschriften.” In Abstimmung mit dem Vertreter des Denkmalsamtes Siegmund Tober, wurde das Konzept weiter verfeinert. Der mittlerweile schwer erkrankte Hans Steinhäuser schrieb am 21.Mai 1988 an Spilker: “Sie glauben gar nicht, wie gut es mir gesundheitlich tut, dass wir so gut weiter gekommen sind.”
Die Fertigstellung des Brunnens hat Hans Steinhäuser leider nicht mehr erlebt.

 

Bei der Einweihung des Hansebrunnen begrüßte Bürgermeister Gerhard Klippstein, dass innerhalb kurzer Zeit mit der Abteistele, dem Fürstenaudenkmal und dem Hansebrunnen drei Kunstwerke eingeweiht wurden, nachdem jahrelang überhaupt nichts geschehen sei. Alle waren durch Privatinitiativen finanziert worden. Auch auf die leidigen Standortdiskussionen ging er ein. So vermutete er, dass zukünftig so mancher potentieller Sponsor die „Ochsenkur der Ausschüsse“ scheue und sich nicht engagiere.
Nach Cord H. Huchzermeyers und Gerhard Klippsteins Reden hielt Dr. Rainer Pape, gestört durch schneidend kalten Wind und häufig durch den Berufsverkehr unterbrochen, ein längeres Referat zur Geschichte der Hanse und ihre Beziehung zu Herford. Danach wurde die Brunnenanlage in Gang gesetzt.
Heinz Spilker hat heute mit dem Standort seinen Frieden geschlossen. Er wünschte sich, dass der Brunnen von den Herfordern gewürdigt wird. Daher hatte er im Sommer 2010 beschlossen, auf eigene Kosten eine Ansichtskarte mit dem Brunnenmotiv drucken zu lassen, die auch den Hansetag 2013 im Herford bewerben soll.