Friedhof Friedhofstraße

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Über Jahrhunderte wurde in Herford innerhalb der Stadtmauern beerdigt. Die mittelalterlichen Friedhöfe lagen für die Altstadt, Radewig und die umliegenden Gemeinden ohne eigene Pfarre an der Münsterkirche und für die Neustadt überwiegend westlich der Johanniskirche.
In der Radewig wurde erst nach 1610 beerdigt, nachdem die Jakobikirche offiziell Pfarrkirche des Stadtteiles wurde. Allerdings war hier die Kapazität von Anfang an begrenzt, da die Kirche eng von Straßen umgeben war.
1806 erließ Napoleon den Code Napoleon, ein Gesetz, das zwei Jahre später auch für die französisch besetzten Gebiete in Kraft trat. Ein Teil davon beschäftigte sich mit den katastrophalen Bedingungen auf den innerstädtischen Friedhöfen. Deren Überfüllung sorgte seit langem zu unhaltbaren hygienischen Problemen. Ein Herforder Zeitzeuge schreibt dazu: „Halbverweste Leichen werden zuweilen aus der Erde ausgegraben, und ich habe es bey der im Jahre 1779 in unserer Gegend wüthenden Ruhr, die in Herford ihren Anfang nahm, einigemal selbst gesehen, daß halbverfaulte Theile des Körpers, und Schädel mit Haut und Haaren auf den Kirchöfen lagen.“
Nach dem Code mussten alle Friedhöfe ab sofort mindestens 35 Meter außerhalb der Stadtmauern liegen. Daraufhin wurden gegen den Widerstand der Kirchen und der Bevölkerung die innerstädtischen Kirchhöfe geschlossen und 1808 der „Alte Friedhof“ an der Friedhofstraße eröffnet. Er gilt als erster kommunaler Friedhof Herfords. Bereits nach wenigen Jahrzehnten war seine Kapazität erschöpft, so das er 1873 in südliche Richtung erweitert werden musste. Seit 1874 finden auf dem “Alten Friedhof” keine Bestattungen mehr statt. Über 300 gut erhaltene Grabstellen und Obelisken sind noch erhalten. Zu ihnen gehören mehrere Grabdenkmäler der Renaissance und des Barock, die vom ehemaligen Friedhof an der Münsterkirche hierher versetzt wurden. Dazu kommen zahlreiche Grabsteine aus der Zeit des Historismus. Am 21. Januar 1964 wurde das Kriegerdenkmal,das sich seit 1879 dem Alten Markt befand, hierher versetzt.
Auf dem Gelände ist befindet sich heute ein wunderbarer alter Baumbestand. 1957 wurde der “Alte Friedhof” in eine öffentliche Grünanlage umgestaltet, die heute in den Aawiesenpark übergeht. Nachdem 1986 die an der Aa gelegene Gärtnerei Breder ihren Betrieb einstellte, entschied sich der Stadtrat nach heftiger Diskussion für das Anlegen einer Parkanlage, mit deren Gestaltung 1987 begonnen wurde.

Literatur: Historisches Jahrbuch für den Kreis Herford 2007, Annette Huss „Der Städtische Friedhof an der Hermannstraße in Herford“