Altstädter Rathaus

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Abgebrochen.

Über 500 Jahre war das Altstädter Rathaus am Alten Markt das Zentrum des bürgerlichen Lebens in Herford. Hier wurde gestritten, entschieden, gerichtet, gefeiert. Welche Bedeutung dieses Gebäude hatte, kann man daran ermessen, wie sehr noch heute dessen Verlust betrauert wird.

Seine Geschichte beginnt um 1360, als auf dem Hauptplatz der Altstadt der vordere Teil des Rathauses erbaut wird. Etwa hundert Jahre später folgte der Anbau des hinteren Rathausteiles, gerade in die Flucht zur Rennstraße. Wann die Gerichtslaube errichtet wird, ist umstritten. Vermutlich erfolgte der Umbau zum Renaissancestil um 1575. Im westlichen Giebel waren mehrere kleine Elemente eingearbeitet, deren Bedeutung noch heute umstritten ist. Dass es sich jedoch um die Reste eines ehemals vor dem Rathaus stehenden Rolands handelte, kann mittlerweile als widerlegt angesehen werden. Sicher ist, dass sich neben dem Herforder Stadtwappen auch der Reichsadler am Giebel befand. Auch ein Kopf ist zu sehen, möglicherweise der eines Kaisers. In den Urkunden der Stadt ist kein eindeutiger Hinweis zu finden.

1849 kam es mit der Erweiterung des Rathaussaales zum letzten Umbau. Noch 1870 wurden weitere Umbauten angedacht, welche die räumliche Situation verbessern sollten. Besonders die im Keller untergebrachten Gefängniszellen und die Toilettenanlagen waren ein erhebliches Ärgernis. Die Planung wurde jedoch nicht mehr umgesetzt. Eine vernünftige Arbeit in dem Gebäude war kaum denkbar. Am 14. März 1877 beschlossen die Stadtverordneten den Abbruch. Im Jahr darauf wurde das Altstädter Rathaus abgebrochen. Einige Teile wurden erhalten. Dazu gehören die vier Säulen der Gerichtslaube.

Zwei fanden den Weg ins Städtische Museum. Eine setzte sich Quentin in seinen Garten und die letzte Säule stellte Maurermeister Mormann als Dekoration an die Grabstelle seiner Mutter. Weiter wurden unter anderem der gusseiserne Ofen und die Portaltür gerettet. Der Wunsch Bürgermeister Quentins, dass man anschließend gleich ein neues Rathaus errichten würde, erfüllte sich nicht. Fast 40 Jahre sollte es dauern, bis die Zeit der Provisorien vorbei war und das neue Rathaus an der Münsterkirche bezogen werden konnte.